Mandala mein Weg, meine Erkenntnisse
Im Moment ist das Mandala Malen fast schon ein Trend. Für mich ist es jedoch kein Trend. Für mich ist es eine Lebensphilosophie, eine Landkarte, an der ich mich orientieren kann. Es zeigt mir, wie ich mein Leben bewusster gestalten kann, damit es mir vielleicht sogar besser gelingt oder ich herausfordernde Umstände besser erkennen kann.
Als ich 2008 mein erstes Mandala gemalt habe, wusste ich zwar die Bedeutung aus spiritueller Sichtweise, aber was es bedeutet, sich wirklich über all die Jahre damit zu beschäftigen und es über den künstlerischen Weg zu erforschen, das wusste ich noch nicht.
Nun, nach 18 Jahren intensiver Auseinandersetzung und der Weiterentwicklung meines künstlerischen Mandala-Ausdrucks, kann man sagen, es ist nicht mehr einfach nur eine Erkenntnis, die ich durch Lesen übernommen habe, sondern weil ich praktisch nur Mandalas male und dies hauptberuflich tue und auch noch in Kursen weitergebe, kann ich sagen, dass ich meine Erkenntnisse selbst aus der Mandala-Arbeit gewonnen habe.
Die ersten 10 Jahre habe ich sehr geometrische Mandalas gemalt. Ich übte mich in geraden, korrekten Linien und versuchte für mich, die heilige Geometrie zu verstehen. Ich wollte das Geheimnis des Lebens für mich lösen. Der Perfektionismus, den ich angestrebt habe, mit dem Pinsel noch exakter zu werden und zu meinen, ich müsse das Leben, die Schöpfung von Grund auf verstehen, brachte mich aber auch so manches Mal an meine Grenzen, sprich, er hat mich auch eingeengt.
Die Lösung kam, als ich über den Künstler Friedensreich Hundertwasser gestolpert bin. Ich war in Wien, und seine lebendige und organische Architektur hat mich sehr inspiriert. Als ich dann noch in einem Buch von ihm gelesen habe, dass die gerade Linie gottlos ist, kam ich etwas ins Stolpern.
Ich will jetzt nicht sagen, dass ich gläubig im klassischen Sinne bin, also katholisch oder ähnliches, aber ich bin spirituell ausgerichtet. Klar, ich versuche ja, das Leben zu verstehen, und das macht einen fast automatisch spirituell. So suche ich nach etwas Höherem, das in uns wohnt und um uns ist, etwas, aus dem wir alle gekommen sind, etwas, aus dem das Leben geformt wurde.
Nun denn, zurück zu Hundertwasser, der mich ins Wanken gebracht hat mit meinem Drang, korrekte, gerade Linien zu malen. Plötzlich empfand ich diese Perfektion als beengend, obwohl mir diese Struktur geholfen hatte. Mein Leben war nämlich bis dahin eher chaotisch verlaufen. Ich war wie eine Suchende, und wenn man auf der Suche nach sich selbst ist, verläuft das Leben manchmal eher chaotisch, auf alle Fälle war es bei mir so.
Ich öffnete meine geometrischen Mandalas, und sie wurden ästhetischer und bekamen viel Bewunderung. So verkauften sich meine Mandalas plötzlich wie von selbst, obwohl ich gar nicht den Plan hatte, von meiner Kunst zu leben, ja überhaupt Kunst zu machen. Die geraden Linien, diese Perfektion der heiligen Geometrie loszulassen, half mir wieder zu verstehen, dass ich schon immer ein kreativ denkender Mensch war. Schon als Kind war ich kreativ stark, aber das strukturierte, rechnerische Denken hatte ich nie wirklich oder empfand es als unwichtig.
Das fast zehnjährige Malen von geometrischen Mandalas hat mir jedoch geholfen, mich quasi zu sortieren und Struktur in mein Leben zu bringen. Übrigens sollte ich auch noch erwähnen, dass Emma Kunz, eine Naturheilerin und Forscherin, die Bilder auf Geometriepapier gemalt hat und sie in ihren Forschungen über das Leben benutzte, mich inspiriert und die ersten Jahre auf einer anderen Ebene des Bewusstseins begleitet hat. Darum waren meine Bilder von Anfang an geometrisch, bis dann Hundertwasser mit seinem Impuls etwas in mir verändert hat.
So kamen sanft schwingende Formen zu meinen Bildern hinzu und brachten sie auf das nächste Level, könnte man sagen. Nun erinnerten meine Bilder immer mehr an Mandalas und entfernten sich langsam von der geradlinigen Struktur. So kam mein kreatives Sein immer mehr zum Vorschein, das, was ich als Kind war, aber im Erwachsenwerden ein wenig verdrängt habe.
2017 fing ich nebenbei an, mit dem Drehteller zu töpfern. Ja, ich brauchte ein Hobby, da das Malen plötzlich Beruf war. Ich brachte mir das selbst bei, und das Erlernen des Zentrierens vom Ton brachte mich auf die Idee, meine Leinwände auf dem Drehteller zu montieren und sie damit zu grundieren. So entstehen schöne Farbverläufe, und ich brachte meine Mandalas auf das nächste Level.
Zuerst dachte ich, dass ich dies in meinen Kursen nicht weitergeben werde, es sollte quasi mein Arbeitsgeheimnis bleiben. Doch so bin ich nun mal nicht. Ich inspiriere gerne andere Menschen mit meiner Kreativität, und so gab ich diese Technik weiter. Interessant ist, dass ich genau durch das Zentrieren noch mehr begann, mein Leben zu verstehen. Ich werde noch tiefer auf dieses Thema eingehen.
So feierte ich Erfolge mit dem Verkauf von Mandalas, die hervorragend in Praxen, Yogaräume und Ähnliches passten. Auch Bestellungen von sogenannten Seelenmandalas kamen eine nach der anderen. Immer mehr wurde ich also zur Künstlerin, die von ihrer eigenen Kunst leben konnte.
2018 fing ich an zu reiten, und der Blick vom Pferd in die Natur, dieses Eintauchen vom Rücken des Pferdes aus, das Beobachten, wie sich im Frühling Knospen bilden, wie sich das Gras im Wind bewegt, wie viel Organisches überall ist, all das floss in meine Bilder. Das hat mich so sehr inspiriert, dass ich begann, meine Mandalas, die zwar ästhetisch, harmonisch und schön waren und so viele Menschen angesprochen haben, weiterzuentwickeln.
So kam immer mehr Bewegung in meine Mandalas.
Und es wurde für mich immer klarer, dass ich unbewusst genau diese Art immer schon in mir hatte, das Organische der Pflanzen. Ich bin ja schliesslich eine Gärtnerstochter, wurde in einer Schnittblumengärtnerei gross. Ich wollte nie Gärtnerin werden, aber jetzt bemerke ich immer mehr, dass ich kreativ durch die Gärtnerei geprägt wurde.
Nun ist es für mich plötzlich logisch, dass ich Mandalas male, denn ich bin mit ihnen aufgewachsen. Gerbera, Lilien, Tulpen, um einige zu nennen, waren täglich in meiner Kindheit präsent. Sie haben mich unbewusst mitgeformt. Obwohl ich mich immer gesträubt habe, in der Gärtnerei zu arbeiten, habe ich es trotzdem getan, um als junge, alleinerziehende Mutter Geld zu verdienen und später in der Selbstständigkeit anfangs noch einen Brotjob zu haben.
Nun sind meine Mandalas also nicht mehr die typischen Mandalas, wie man sie kennt. Sie heben sich von der Mandala-prägenden Masse ab.
Zwar ist die Geometrie immer noch innewohnend. Sie bildet die Grundstruktur meiner Bilder, denn ohne sie wäre meine Kunst chaotisch oder vielleicht würde ich gar keine Kunst machen. Das Wiederholende von Formen ist immer noch das Wichtigste in meiner Kunst. Es sind also in der Grundstruktur immer noch Mandalas, aber eben nicht mehr so typisch, wie man sie kennt.
Ich bin quasi einen Level mit meiner Mandala-Kunst weitergegangen.
Jetzt wird es interessant. Einerseits, weil ich das Leben, wie ich finde, noch mehr verstehe. Es braucht Struktur, damit überhaupt Leben entstehen kann. Dann kommt das Kreative hinzu, es belebt die Struktur, macht sie sanfter und schöner. Man fühlt sich wohl und lässt sich auf das Leben ein.
Aber dann kommt etwas Unvorhersehbares, etwas, das nicht einfach nur harmonisch ist. Es kommt Bewegung hinein. In der Natur könnte man sagen, es kommen die Jahreszeiten, Wind und Wetter, Wasser und Luft. Und so tanzen geometrische, verspielte Formen plötzlich aus der Reihe. Sie sind noch an die Struktur gebunden, sind immer noch schön, aber sie werden organisch, verspielt und vor allem lebendig.
Ja, genau so sind meine Bilder jetzt.
Meine ruhigen, ästhetischen und doch sehr strukturierten Mandalas sind lebendig geworden.
Die Formen greifen ineinander über, sie sind in Bewegung, sie sind nicht einfach in einer starren Form. Sie brechen aus, sie bewegen sich hin und her, und doch sind sie an die Struktur gebunden, bewegen sich um das Zentrum.
Jetzt hat sich etwas verändert, auch bei mir.
Ich verstehe, meine Kunst ist Ausdruck meines Selbst. Je mehr ich erkenne, desto mehr verändert sich meine Kunst, oder besser gesagt, sie erweitert sich wie das Leben selbst. Es ist immer eine Erweiterung, eine Ausdehnung, eine Expansion. Man kann nicht einfach stehen bleiben. So wie sich die Erde immer dreht, das Universum sich stetig vergrössert und man immer ein- und ausatmet, genau so dehnt sich auch das eigene Leben aus. Würde es sich nicht mehr ausdehnen, würde das Stillstand bedeuten, und dieser führt schlussendlich zum Tod.
Nun bin ich also mit meinen Mandalas an einem Punkt angelangt, an dem sie nicht mehr dem typischen Mandala gleichen. Ich habe sie für mich auf eine neue Kunstform gebracht.
Ich selbst verstehe diese organischen, beweglichen Formen. Ich erkenne das Mandala, das immer noch in der Grundstruktur enthalten ist.
Aber jetzt kommt die Frage,
verstehen dies die Betrachterinnen und Betrachter auch?
Ich spüre, dass sich etwas verändert. Meine Kunst spricht heute andere Menschen an als zuvor. Es sind nicht mehr dieselben, die sich davon berühren lassen, und gleichzeitig öffnen sich neue Begegnungen mit Menschen, die genau in dieser neuen Ausdrucksform etwas für sich entdecken.
Meine Bilder haben sich weiterentwickelt, sie sind gewachsen, und mit ihnen verändert sich auch die Wahrnehmung im Aussen. Das bringt mich manchmal ins Nachdenken, bin ich noch am richtigen Punkt?
Und dann kommt von ganz innen ein klares Nein, mein ganzes Herzblut liegt in meiner Kunst, genauso wie meine Lebenszeit und mein über Jahre gewachsenes Wissen. All das ist heute darin spürbar, und so weiss ich, mein künstlerischer Ausdruck ist richtig und ganz im Jetzt.
Was sich wirklich wandelt, ist die Verbindung nach aussen.
Mit meinem Kunstausdruck verändert sich automatisch auch mein Publikum. Einige gehen diesen Weg mit mir, weil sie in ihrer eigenen Entwicklung in Resonanz mit meiner stehen. Andere bleiben zurück, und neue werden ihren Weg zu mir finden.
Dies gilt es auszuhalten.
Denn so ist das Leben, wenn man sich selbst verändert, verändert sich auch das Umfeld. Nicht mehr alles schwingt im gleichen Rhythmus. Genau darin liegt jedoch Wachstum, künstlerisch wie menschlich, beruflich wie privat.
Warum ich das alles schreibe?
Ich verstehe mich und das Leben immer mehr, das war ja auch der Grund, warum ich mit dem Mandala-Malen begonnen habe. So verstehe ich mein Leben als Mandala, es entsteht aus der Mitte des Seins und dehnt sich immer weiter aus. Es kann nicht anders, denn so ist das Mandala, so ist das Leben.
Zentrieren
Als ich 2017 als Ausgleich zum Malen begonnen habe, auf der Drehscheibe zu töpfern, kam mir währenddessen, als ich versuchte, meinen Ton zu zentrieren, die Idee, dass ich doch meine Leinwände auf dem Drehteller befestigen könnte, um sie so zu grundieren.
Gedacht, getan. Es war eine riesige Farbenschlacht, aber es funktionierte, und ich erarbeitete mir eine Technik, damit es nicht jedes Mal eine Farbenschlacht war.
Zuerst dachte ich, das gebe ich auf keinen Fall in meinen Mandala-Kursen weiter, aber so bin ich nun mal nicht. Ich inspiriere gerne andere Menschen.
Zuerst dachte ich auch noch, wow, ich habe etwas erfunden, doch plötzlich sah ich in den sozialen Medien andere Künstler, die mit Hilfe der Drehscheibe ihre Kunst machen. Interessant fand ich jedoch, dass ich keine anderen Mandala-Künstler fand, die ihre Leinwand auf dem Drehteller grundieren. Zwar fand ich vereinzelte, die ihre Bilder auf dem Drehteller hatten, um nicht jedes Mal die Leinwand von Hand zu drehen, da man ja die Formen immer vor sich malt.
Ich integrierte also den Drehteller in meine Mandala-Kunst, und interessant ist, dass ich, je mehr Leinwände ich grundierte, auch ein Verständnis bekam, was es denn heisst, etwas zu zentrieren.
Was ich damit sagen will, ist, dass wenn ich das Leben als Drehteller anschaue und ich von meinem Leben ja der Mittelpunkt bin, ich mich immer wieder dezentriere. Diese wirkenden Kräfte des Drehtellers machen das genau sichtbar, und ich bekam ein Verständnis für so vieles.
So wurde mir schnell klar, dass ich zu viele Ideen auf einmal zentrieren wollte. Ich leite ein Gesundheitshaus, sprich, ich vermiete Praxisräume, obwohl jede selbstständig arbeitet, mache ich den gesamten Auftritt nach aussen, gemeinsamer Flyer, Werbung und auch die Pflege der allgemeinen Räumlichkeiten.
Bis 2018 gab ich Coachings, und der Verkauf von Seelenmandalas füllte einen grossen Teil, ich wollte aber immer das Coaching auch noch mehr auf den Boden bringen. So versuchte ich also, meine Visionen zu manifestieren, irgendwie erfolgreich und irgendwie überhaupt nicht.
Ich hatte auch noch meine Kinder und ein Haus mit viel Umschwung, der finanzielle Druck war unermesslich gross. Das alles dezentrierte mich immer wieder.
Mit dieser Erkenntnis war mir klar, ich wollte zu viel auf einmal auf meiner Lebensdrehscheibe zentrieren. Das geht einfach überhaupt nicht.
So stellte ich mir die Frage, was ich mir vorstellen kann, jeden Tag zu 100 Prozent zu machen, und da kam wie aus der Kanone geschossen: Malen.
Nun kam natürlich die Frage der Finanzen, ja, das geht doch nicht und so weiter. Das Gesundheitshaus liess ich natürlich laufen, denn die Praxisräume in meinem Haus zu vermieten gaben mir Sicherheit. Ich nahm mich aber als Therapeutin selbst heraus, also nur noch die Leitung.
Und man mag es kaum glauben, den Verkauf der Seelenmandalas konnte ich so zentrieren, dass ich eines nach dem anderen malen durfte. Natürlich sind auch meine Mandala-Kurse nicht zu vergessen, ich konnte meine Kurse, die ich ausgeschrieben habe, immer füllen.
Ich kontrolliere mich immer wieder mit der Essenz des Zentrierens. Du musst wissen, ich habe so viele Ideen in mir, was ich alles tun könnte, das ist einfach zu viel. Und einiges ist finanziell gar nicht möglich, habe ich doch mit meiner Liegenschaft eine grosse Vision, die jedoch abhängig von finanziellen Mitteln ist.
Also breche ich alles immer herunter, so dass ich es zentrieren und halten kann, denn darauf lässt sich aufbauen, also einen Schritt nach dem anderen.
Klar, es gibt zum Beispiel im Töpfern Menschen, die können mehrere Kilo Ton auf einmal zentrieren, ich kann es nicht, dafür töpfere ich zu wenig. Genau so ist es eben im Leben. Die einen haben von aussen betrachtet unendlich viel zur Verfügung und können so ihre Visionen gleich manifestieren, vielleicht hat es auch nur den Anschein. Auch diese Menschen mussten beharrlich dranbleiben, da bin ich überzeugt.
Also man muss seine Visionen in sein Zentrum, in den Mittelpunkt seiner Lebensdrehscheibe stellen. Das geht auch nur, wenn man wirklich das Richtige gefunden hat. Ich glaube, es kommt wirklich aus der Tiefe des Seins, und man weiss, es gibt einfach nur das. So war es bei mir mit dem Malen und ist es bis heute so.
Übergeordnet könnte man sagen, meine Vision ist es, die Kreativität auszuleben. Rückblickend ganz klar, ich war dies schon als Kind. Schule war für mich nur dann schön, wenn ich mich kreativ betätigen konnte, der Rest war anstrengend, beengend und mühselig.
Zurück zum Zentrieren.
Du hast also deine Vision, das, was du am liebsten tust, gefunden, und dies gilt es zu zentrieren. Den Fokus darauf halten zu können, auch wenn der Erfolg gerade mal ausbleibt, ist die grösste Schwierigkeit.
Die Gefahr ist nämlich, dass man beginnt, sich in Frage zu stellen. War es die falsche Idee, falsche Zeit, falscher Ort?
Man lässt sich dann wegtragen, sucht nach etwas, das Erfolg verspricht, obwohl es eigentlich nichts mit der eigenen Vision zu tun hat, und schon bist du dezentriert.
Den Fokus zu halten, auch wenn alles dagegen spricht, wenn alle um dich sagen, vergiss es, das kann doch nicht funktionieren, dann trotzdem daran festzuhalten, zentriert und fokussiert zu bleiben, darum wirst du nicht herumkommen.
Wenn man sich Erfolgsgeschichten von erfolgreichen Menschen anhört, dann hört man genau das. Sie glaubten an ihre Idee, auch wenn sie die Einzigen waren. Sie hielten den Fokus beständig, mit Ausdauer, nahmen auch Niederlagen an und lernten daraus, denn genau das bringt die Erkenntnisse, die es braucht.
Ich kann nur sagen: zentrieren, zentrieren, zentrieren.
Und wenn man einmal die wirkenden Kräfte des rotierenden Drehtellers erlebt, dann kann man es verstehen.
Wenn man sich aus der Mitte heraus treiben lässt, und treiben steht für Ablenkung, dann verliert man sich, man verliert den Fokus auf das Wesentliche.
Und wir haben so viel, das uns dazu verleitet, uns aus der Mitte treiben zu lassen. All die Ablenkungen. Aber wenn du deine Vision manifestieren willst, kannst du dich nicht ablenken lassen.
Also nochmals:
Nimm das, was du zu 100 Prozent manifestieren willst, und halte es fokussiert in deinem Zentrum. Anders geht es nicht.
Wenn dir das gelingt, dann kannst du anfangen zu formen, sprich zu erweitern.
Im Töpfern ist es genau so. Man hat eine Idee, und dann nimmt man den Klumpen Ton, der am Schluss die manifestierte Idee ist. Nun muss dieser Klumpen zentriert werden. Hat man das geschafft, kann man einen Zylinder formen, auch da braucht es Geduld, Fingerspitzengefühl, und erst dann kannst du dich an die Form wagen, auch da braucht es Gefühl und Achtsamkeit.
Beim Mandala-Malen mit der Drehscheibe ist es ähnlich. Zuerst muss die Leinwand zentriert werden, danach kann man mit dem Grundieren beginnen. Farben mischen sich miteinander, und es entstehen verschiedene Farbverläufe.
Im Unterschied zum Töpfern sollte man hier kein fixes Endergebnis im Kopf haben, denn die Farbverläufe lassen sich nicht vollständig steuern.
Die einzige Vorgabe, die ich habe, ist die Mandala-Struktur, in der sich Formen wiederholen. Ansonsten lasse ich mich auf den Moment ein.
Und da haben wir wieder eine Brücke zum Manifestieren von Visionen.
Stell dir vor, ich habe fast 10 Jahre gebraucht, nachdem ich mein erstes Mandala gemalt habe, um auf die Idee zu kommen, die Leinwand auf dem Drehteller zu grundieren.
Und es ist ein so essenzieller Teil meiner Bilder geworden, aber auch meines Lebensverständnisses.
Wenn man weiss, was es bedeutet, in seinem Zentrum zu ruhen, dann kann die Welt auch einmal dezentriert sein.
Wie bei der Farbe auf der Leinwand, wenn der Drehteller schnell läuft und alles nach aussen drängt, das ist die Zentrifugalkraft. Auffallend ist, dass die Mitte dennoch ruhig bleibt, ein Stillpunkt.
Stell dir ein Karussell vor
Am äussersten Rand hat es Sitzgelegenheiten. Du sitzt dort, und es beginnt sich zu drehen. Immer schneller. Es drückt dich in den Sitz, dir wird flau im Magen, alles ist in Bewegung, es wird unruhig, fast zu viel.
Und dann gibt es diese Person, die sich in die Mitte stellt.
Dort, im Zentrum, ist es ruhig. Dort ist der Stillpunkt.
Während sich alles dreht, während aussen die Kräfte wirken und Unruhe entsteht, bleibt es in der Mitte klar. Kein Sturm im Kopf. Kein Getrieben-Sein.
Die Bewegung passiert rundherum, aber nicht im Zentrum.
Und genau das ist der Unterschied.
Wenn du aussen bist, fühlt sich alles schnell, unruhig und überwältigend an.
Wenn du in deiner Mitte bist, bleibt es ruhig, auch wenn sich im Aussen alles bewegt.
Und doch lassen wir es immer wieder zu.
Nicht, weil andere das wollen, sondern weil wir es zulassen.
Um zentriert zu bleiben, braucht Bewusstsein und oft auch Willenskraft.
All diese Erkenntnisse habe ich durch das Malen von Mandalas erhalten. Vielleicht mögen sie simpel erscheinen, für mich jedoch sind sie die Spielregeln meines Lebens.
Alles Liebe Martina Schiffer